Publikationen
Martin Bundi, Urs Clavadetscher, Heinz Gabathuler, Sebastian Grüninger, Helmut Maurer, Werner Meyer, Jürg L. Muraro.
Beiträge zur historischen Tagung in Sagogn, 25./26. April 2008
Mittelalterliche Herrschaft und Siedlung in Churrätien am Beispiel der Freiherren von Sagogn/Schiedberg.
Herausgegeben vom Institut für Kulturforschung Graubünden ikg. Beiheft Nr. 12. zum Bündner Monatsblatt
Stefan Keller / Isabelle Rucki (Hsg.)
Hotel Bregaglia. Ein Findling im Bergell.
Verlag hier + jetzt, Baden 2009.
Wie ein Findling steht das Hotel Bregaglia mitten im Bergell, ein imposantes und unverkennbares Bauwerk aus der Frühzeit des alpinen Tourismus. Es wurde erbaut in einer Zeit, da die ersten Touristen und Bergsteiger das südalpine Tal mit seinem steilen Granitgebirge entdeckten und Promontogno zu einem wichtigen Etappenort für Touristen auf dem Weg ist Engadin wurde. Das Buch erzählt aus verschiedenen Blickwinkeln die Geschichte des Hotels.
Lectüras da “La Müdada” da Cla Biert
Aktenband der Tagung in Nairs/Scuol, im Oktober 2006
(Hsg. Annetta Ganzoni / Clà Riatsch) Chur, Bündner Monatsblatt. Beiheft Nr. 11, 2008.
Cla Bierts Roman „La müdada / Die Wende (1984)“ erzählt vom Wandel einer alpinen Bauerngesellschaft und vom Reifungsprozess eines jungen Mannes, der durch die Liebe zu sich selbst und zu seiner Heimat findet.
Guadench Dazzi, Andrea Kaufmann, Sara Galle, Thomas Meier, Florian Hitz
PUUR UND KESSLER
Sesshafte und Fahrende in den Bündner Gemeinden
Verlag hier + jetzt, Baden 2008.
Zur Eröffnung der gleichnamigen Ausstellung im Rätischen Museum Chur, Spätsommer 2008, gibt das ikg ein Buch heraus. Zahlreiche Bilder und Objekte der Ausstellung sind hier wieder zu entdecken. Genau recherchierte und gut lesbare Texte, verfasst von den Bearbeiterinnen und Bearbeitern der einschlägigen NFP-51-Forschungsprojekte, ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem wichtigen und facettenreichen Thema. Berücksichtigt werden Aspekte wie Bürgerrecht, Armen- und Fürsorgewesen, Ausschluss und Integration, Kultur und Identität.
Schrift, Schriftgebrauch und Textsorten im frühmittelalterlichen Churrätien
Aktenband der internationalen Tagung in Chur, im Mai 2006. (Hsg. Karin Fuchs)
Verlag Schwabe AG, Basel, Oktober 2008.
Das Buch behandelt Fragen nach Schrifttraditionen und deren Einflüssen, nach Gebrauchskontexten von Schrift, nach Schrifthandeln und dem Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit und schliesslich nach der Überlieferung und Weiterbenutzung frühmittelalterlicher Texte im churrätischen Kulturraum mit Schwerpunkt 7. bis 9. Jahrhundert.
Reinhold Kaiser
Churrätien im frühen Mittelalter
2., überarbeitete und ergänzte Auflage. Basel: Schwabe AG, Oktober 2008.
Anhand von Urkunden, Inschriften, Orts- und Personennamen, Grab- und Siedlungsfunden, Kirchenbauten oder Wandmalereien und aus den Ergebnissen der historischen Nachbardisziplinen stellt Reinhold Kaiser fünf Jahrhunderte frühmittelalterlicher Geschichte Churrätiens dar, das nicht nur den heutigen Kanton Graubünden (ausser dem Puschlav) und das Fürstentum Liechtenstein, sondern auch Teile der Kantone St. Gallen und Glarus sowie von Vorarlberg, Nordtirol und Südtirol (Vinschgau) umfasst.
Matthias Grünert / Regula Cathomas / Mathias Picenoni / Thomas Gadmer
Das Funktionieren der Dreisprachigkeit im Kanton Graubünden
Schlusspublikation.
Reihe Romanica Helvetica 127, A. Francke Verlag, Tübingen/Basel, Oktober 2008.
Regula Cathomas
Sprachgebrauch im Alltag. Die Verwendung des Rätoromanischen in verschiedenen Domänen: Wechselwirkungen und Einflussfaktoren.
Reihe Cultura Alpina, Verlag Bündner Monatsblatt, Chur, November 2008.
Mathias Picenoni
La minoranza di confine grigionitaliana - confini soggettivi, comportamento linguistico e politica linguistica
Reihe Cultura Alpina, Verlag Bündner Monatsblatt, Chur, November 2008.
Renata Coray
Von der Mumma Romontscha zum Retortenbaby Rumantsch Grischun
Reihe Cultura Alpina, Verlag Bündner Monatsblatt, Chur, November 2008.
Mirella Carbone / Marcella Meier
Wanda Guanella. Monografie
Drahtseilkünstlerin zwischen Norden und Süden / Artista funambola tra nord e sud.
Verlag Gammeter Druck, St. Moritz/Chur 2008.
Die Malerin Wanda Guanella ist 1944 in Chiavenna geboren. Seit den 60er Jahren lebt sie abwechselnd in Borgonuovo di Piuro und in St. Moritz. Ihr Leben und ihre Kunst spielen sich zwischen italienischem und schweizerischem Kulturraum ab. Südliche und nördliche Einflüsse regen sie in ihrem Schaffen an. Ihr Leben im Kraftfeld geographischkultureller Pole ist für die Künstlerin eine wichtige Quelle der schöpferischen Energie. Der morphologisch-geographische Gegensatz zwischen ihren beiden Lebensräumen, Oberengadin und Bergell, ist Thema ihrer Landschaftsbilder. Eines verbindet Guanellas Landschaften: Der Betrachter wird mit einer Urlandschaft konfrontiert, in der jegliche Zeichen menschlicher Behausung oder Aktivität konsequent getilgt worden sind.
Dennoch spielt der Mensch in Guanellas Werk eine zentrale Rolle. Die Porträts stellen den Hauptteil ihrer künstlerischen Arbeit dar; sie sind Ausdruck einer grossen Leidenschaft für das Menschliche. Guanellas skizzenhafte, expressive Porträtkunst strahlt eine grosse Lebendigkeit und Ausdruckskraft aus. Im Formalen zeugt Guanellas Werk von ihrer grossen Vielseitigkeit und Freude am Experimentieren mit verschiedenen Techniken: Öl, Aquarell, Freske, Mischtechnik, Bleistift- und Tuschezeichnung. Auch Plastiken entstehen immer wieder in ihrem Atelier. Die Monographie (deutsch/italienische) erscheint im Dezember 2007.
Kristiana Hartmann
Zauberwelt im Bilderbuch. Von Graubünden in die Welt
Verlag Desertina, Chur 2008
Kennen sie Pignoc, den Pinocchio aus dem Bündner Oberland? Gewiss doch den Schellen-Ursli, haben seine Geschichte sogar gelesen. Aber auch die anderen verzauberten Bildwelten, Wintermärchen, deren Ideen wie wundersame Vögel an den Talwänden nisten? Dieses Buch führt Sie wie auf einem Saumpfad unmittelbar in die Märchenwelt Graubündens, von Malern und Zeichnern faszinierend ins Bild gesetzt. Das Buch führt zugleich über unsere Grenzen hinaus. Nicht zufällig ist es Friedrich Nietzsche, der dem Engadin eng verbundene Philosoph, den Ellen Key 1900 in der Einleitung zu ihrem aufrüttelnden Werk „Das Jahrhundert des Kindes“ zitiert: „Eure Kinder Land sollt ihr lieben: ... das unentdeckte, im fernsten Meere, nach ihm heisse ich eure Segel suchen und suchen.“ (aus „Also sprach Zarathustra“).
Erwin Bundi
Raum Graubünden. Dokumentation Raumplanung Raumentwicklung.
Der Kanton Graubünden war in den letzten 200 Jahren sowohl wirtschaftlich wie auch gesellschaftlich und kulturell einem starken Wandel unterworfen. Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Mobilität, Tourismus und Infrastrukturbauten haben im Raum tiefe Spuren hinterlassen. Diese Dynamik sollte seit Anfang der 1970er Jahre von der Raumplanung in geordnete Bahnen gelenkt werden.
Die Publikation dokumentiert die räumliche und strukturelle Entwicklung des Kantons seit seiner Eingliederung in die Schweizerische Eidgenossenschaft 1803. Im Zentrum steht dabei die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mit der raumplanerischen Umsetzung der entwicklungspolitischen Leitbilder des Kantons. Das Werk dient damit nicht nur als Nachschlagewerk, sondern auch als Grundlage für zukünftige Planungen, Projekte und wissenschaftliche Arbeiten.
Herausgeber: Verein für Bündner Kulturforschung VBK, Chur / Bündner Vereinigung für Raumentwicklung BVR, Chur.
Verlag: Suedostschweiz Buchverlag, Chur/Glarus/Zürich 2007. Fr. 76.--.
Konfessionalisierung und Konfessionskonflikt in Graubünden, 16.–18. Jahrhundert.
Akten der historischen Tagung des Instituts für Kulturforschung Graubünden. Poschiavo, 30. Mai bis 1. Juni 2002
Confessionalizzazione e conflittualità confessionale nei Grigioni fra '500 e '700
Atti del Convegno storico dell'Istituto grigione di ricerca sulla cultura
Poschiavo, 30 maggio – 1 giugno 2002
Der Forschungsansatz der Konfessionalisierung achtet auf die Entsprechungen, die sich bei der Bildung und Erhaltung der verschiedenen Konfessionskirchen zeigen. Eine dieser Parallelen besteht in der Disziplinierung des Kirchenvolks. Unterstützten also die Konfessionskirchen die Staatsbildung, indem sie die Intensivierung staatlicher Herrschaft durch Sozialdisziplinierung förderten?
Einen interessanten Testfall für diese bekannte These bieten die Drei Bünde. Im frühneuzeitlichen Graubünden, einem schwach entwickelten Staatsgebilde, etablierten sich zwei Konfessionsgruppen – in oftmals unfriedlicher Koexistenz. Die Schwäche des Staates führte hier zu einer doppelten Konfessionalisierung, zur allmählichen Ausbildung fester konfessioneller Milieus und letztlich zu einer starken Persistenz konfessionskirchlicher Glaubensformen.
Der Band berücksichtigt nebst den Drei Bünden auch deren südliche Untertanenlande sowie die Nachbargebiete Tessin und Tirol. Für diesen Untersuchungsraum diskutieren ForscherInnen aus der Schweiz, Italien, Deutschland, Österreich und USA die vielfältigen und teils kontroversen Aspekte der Kirchen- und Staatsbildung im Konfessionellen Zeitalter.
Herausgeber: Georg Jäger, Leiter des Instituts für Kulturforschung Graubünden, Chur; Ulrich Pfister, Professor an der Universität Münster (D).
Verlag: Chronos, Zürich 2006. Fr. 48.--.
Unter Strom.
Wasserkraftwerk und Elektrifizierung in Graubünden 1879-2000
Hansjürg Gredig, Walter Willi
Die Publikation „Unter Strom. Wasserkraftwerk und Elektrifizierung in Graubünden 1879-2000“ schliesst an das Handbuch der Bündner Geschichte HBG an, das im Jahr 2000 im Auftrag der Regierung des Kantons Graubünden erschienen ist. Eine ausreichend gründliche Darstellung des Kraftwerkbaus und seiner Auswirkungen auf das alltägliche Leben der Bevölkerung im Kanton war im Rahmen eines Handbuchs nicht möglich. Die hohe Bedeutung der Elektrifizierung durch die Nutzung der Wasserkraft im Kanton rechtfertigte deshalb eine eigene, nur diesem Thema gewidmete Publikation.
Das Werk umfasst nun ein Buch zu den historischen Aspekten sowie eine umfangreiche Broschüre zu rechtlichen und aktuellen wirtschaftlichen Fragen. Eine DVD, die der Buchpublikation beigelegt ist, enthält ergänzendes Material in Form von Filmausschnitten sowie eine Dokumentation zu den frühen Kraftwerken im Kanton.
Herausgeber: Verein für Bündner Kulturforschung / Amt für Energie des Kantons Graubünden
Verlag: Bündner Monatsblatt, Chur 2006. Fr. 78.-- (komplettes Paket). |
Alexi
Decurtins:
Neues rätoromanisches Wörterbuch
In jahrelanger Arbeit
hat der Rätoromanist Alexi Decurtins, a. Chefredaktor des Dicziunari Rumantsch
Grischun und Titularprof. der Universität Freiburg/Schweiz, nach seiner
Pensionierung, ausgehend von einer schon bestehenden Wörterbuchtradition,
ein umfassendes neues Bild und Kompendium des Bündnerromanischen/ Surselvischen
in lexikographischer Form vorgelegt. Das
Niev Vocabulari
Romontsch Sursilvan-Tudestg*
gibt Auskunft über
Schreibung, Aussprache, Abwandlungen, grammatische Funktionen, Bedeutungen,
Synonyme, Neuschöpfungen und Redewendungen. Zahlreiche Belege veranschaulichen
den Anwendungsbereich. Nebst Ausblicken auf sprach- und kulturgeschichtliche,
sach- und namenkundliche Aspekte ist das Surselvisch-deutsche Wörterbuch
gleichsam ein Spiegelbild der seit alter Zeit wirkenden sprachlich-kulturellen
Kräfte im dreisprachigen Graubünden. Dem Handbuch kommt eine gewisse Bedeutung
als Orientierungshilfe und Leitplanke in einer für das Überleben und für
die Pflege von Minderheitensprachen eher ungewissen Zeit zu. Es zeigt
Querverbindungen des Surselvischen zu den übrigen rätoromanischen Idiomen
und geht auch dessen Vernetzung und Verflechtung mit den romanischen und
deutschen Mundarten und Sprachen im Ostalpenraum nach. Fragen der Etymologie
und der Herkunft wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Das vielschichtige
Handbuch richtet sich seiner Anlage nach an alle Rätoromanen und darüber
hinaus an alle an der eigenwilligen Alpensprache und an deren Schicksal
interessierte Kreise.
Suenter ina lavur
stendida da varga 12 onns presenta il retoromanist Alexi Decurtins, anteriur
cauredactur dil Dicziunari Rumantsch Grischun e prof. tit. all'Universitad
da Friburg, sebasond sin la tradiziun cumprovada da vocabularis, in niev
e vast maletg e cumpendi dil romontsch sursilvan en fuorma lexicografica.
Il
Niev Vocabulari
Romontsch Sursilvan-Tudestg*
informescha davart
damondas da scripziun, pronunzia, flecziun/midadas, funcziuns grammaticalas,
muntadas, sinonims, neologissems e locuziuns. Numerus exempels declaran
ed illustreschan mintgamai il diever. Sper vestas da tempra linguistica
e culturhistorica sco era da detagls materials ed onomastics (nums locals;
nums e prenums) daventa il niev vocabulari zaco in cunterfei dallas forzas
linguisticas cuntrastontas e cruschontas dil Grischun triling. Il niev
manual ei d'impurtonza sco petga d'orientaziun e referenza en in temps
malguess pil quitau e la tgira da lungatgs pigns e minoritars. El muossa
co il sursilvan sesituescha el rom dils ulteriurs idioms romontschs e
fa era la punt da parentella ed interdependenza cun ils auters lungatgs
e dialects dallas Alps orientalas. L'etimologia e la derivonza vegnan
consideradas tut specialmein. Il manual multivalent sedrezza muort sia
concepziun e natira a tuts ils Romontschs e sur da quei a tuttas persunas
che s'interesseschan e s'engaschan pil destin dil genuin e marcant lungatg
alpin.
*ALEXI DECURTINS,
Niev Vocabulari Romontsch Sursilvan-Tudestg/Neues Rätoromanisches Wörterbuch
Surselvisch-Deutsch. Cuera 2001. (Hsg.) Legat Anton Cadonau/ Verein für
Bündner Kulturforschung/Societad Retorumantscha. - Zu beziehen bei: Lia
Rumantscha, Plessurstr. 47, 7000 Chur; Tel.: 081/258.32.22; Fax: 081/258.32.23;
www.liarumantscha@rumantsch.ch; Fr. 48.- ohne Porto und Verpackung
Randolph
C. Head
Demokratie im frühneuzeitlichen Graubünden.
Gesellschaftsordnung und politische Sprache in einem alpinen Staatswesen,
1470-1620
Graubünden war
in der frühen Neuzeit unter den Bezeichnungen "Rätien"
oder "Freistaat der Drei Bünde" bekannt: ein ländliches
Gemeinwesen in den Alpen und eines der ungewöhnlichsten politischen
Gebilde im damaligen Europa.
Im 16. Jahrhundert waren seine Bewohner souverän und genossen ein
beachtliches Mass an lokaler Selbstverwaltung. Manche von ihnen pochten
auf die politische Gleichheit der Bürger und auf die Verantwortlichkeit
der politischen Führer gegenüber ihren Gemeinden. Anhand von
Flugblättern und politischen Urkunden zeichnet der Verfasser die
Entwicklung dieses Staatswesen nach. Dabei gilt sein Hauptaugenmerk dem
Aufbau der Institutionen und dem politischen Sprachgebrauch der Akteure.
Diese Sprache schloss auch radikale Aussagen zur "Demokratie"
und zum Regiment des "Gemeinen Mannes" mit ein.
Die Drei Bünde nahmen die politischen Zeitströmungen auf und
bewahrten zugleich eine ausgeprägte Eigenart. Damit gewähren
sie neue Ausblicke auf die politischen Ideen im Europa des 16. Jahrhunderts.
Der rätische "Freistaat" war nicht typisch für die
allgemeine Entwicklung, sondern lebte eine politische Kultur, die sich
sowohl vom Absolutismus wie von späteren liberalen Gedanken deutlich
abhob.
Randolph C. Head:
Demokratie im frühneuzeitlichen Graubünden. Gesellschaftsordnung
und politische Sprache in einem alpinen Staatswesen, 1470-1620.
Verlag Chronos, Zürich 2001. Fr. 48.--.
J. Jürgen
J. Seidel:
Zu den Anfängen des Pietismus in Bünden
Der Pietismus als
bedeutende Frömmigkeits- und Geistesbewegung seit dem 17. Jh. im Sinne
einer "zweiten Reformation" hat in Bünden zwar nur einen unzureichenden
Nährboden gefunden, aber trotzdem seine Spuren hinterlassen. Die basisdemokratische
Grundstruktur des Freistaates und das individuell geprägte politische
Bewusstsein seiner Bevölkerung wirkten sich in der reformierten Bündner
Kirche entsprechend antizentralistisch aus. Das religiöse und erst recht
das spezifisch pietistische Gedankengut musste den Filter der Bewährung
im Alltagsleben durchlaufen. So galten weniger die religiöse Bekehrung
und Heiligung als erstrebenswerte Ziele einer Bevölkerung, die dem alltäglichen
Kampf mit der Natur ausgesetzt war und ein karges Leben führte, sondern
vielmehr Pädagogik, Verhaltensorientierung und umfassende Wissensvermittlung.
Denn diese boten günstige Voraussetzungen für die zukünftigen Funktionsträger
in Politik, Wirtschaft und Militär. Von daher ist es auch zu erklären,
dass mehrheitlich Angehörige der Adels- und Pfarrerkreise Bündens dem
Pietismus anhingen. Die Arbeit zeichnet den Hintergrund in staats-, gesellschafts-,
wirtschafts- und religionspolitischer Hinsicht und die konfessionelle
Ausgangslage nach, die der Pietismus vorfand. Den bedeutendsten Vertretern
dieser Glaubensrichtung, der Pfarrfamilie Gillardon, die intensive Kontakte
mit August Hermann Francke in Halle pflegte, und Pfarrer Daniel Willi
wird breiter Raum eingeräumt. Es stellt sich hingegen heraus, das Hortensia
Gugelberg geb. von Salis (1659-1715) nicht als "Pietistin", sondern lediglich
als Vertreterin einer orthodox-reformierten Glaubenshaltung bezeichnet
werden kann. Ein umfangreicher Dokumentenbestand mit zumeist unveröffentlichten
Quellen stützt die Aussagen.
Herausgeber: Verein
für Bünder Kulturforschung. Verlag Chronos, Zürich 2001. Fr. 48.-
Julia
Schmidt-Casdorff:
Der Bündner Kreuzstich als Zeichen
Der Bündner Kreuzstich
- schon vor über 200 Jahren richteten sich wohlhabende Haushalte vor allem
im Engadin mit prächtig bestickten Bettvorhängen, Paradehandtüchern, Tischdecken
usw. ein. Die Stickereien hatten ihre Bedeutung an Festtagen (Hochzeit,
Geburt, Taufe) und im Alltag und lassen Rückschlüsse auf das damals gültige
Frauenbild zu. Gefördert von Heimatschutz, Frauenschule und Heimatwerk
erlebte der Bündner Kreuzstich Ende der 1920er Jahre eine starke Wiederbelebung
und wurde als Zeichen einer patriotischen Haltung weit über die Grenzen
des Kantons Graubünden bekannt. Die Verwendung verschiedener Quellen wie
Museumsbeständen, Reisebeschreibung, Veröffentlichung von Heimatschutz
und Heimatwerk, Interviews, aber auch die Erzählungen der Bündner Schriftstellerin
Tina Truog-Saluz (1882-1957) machen diese Untersuchung interessanter als
es das Thema "Bündner Kreuzstich" zunächst vermuten lässt.
Aspekte des Wandels
weiblicher Kultur in Graubünden. Publikation auf der Grundlage einer volkskundlichen
Dissertation. Beiheft Nr. 10 zum Bündner Monatsblatt. Herausgeber: Verein
für Bündner Kulturforschung. Verlag: Bündner Monatsblatt, Chur 2001. Fr.
28.-.
Georg
Jäger und Guglielmo Scaramellini:
Das Ende der Bündner Herrschaft
Beiträge von
Randolph Head, Urs Kälin, Laura Meli Bassi, Cesare Mozzarelli, Cesare
Santi, Olimpia Aureggi Ariatta, Martin Bundi, Gieri Dermont, Guido Scaramellini,
Martin Leonhard, Georg Jäger, Luciano Muselli, Florian Hitz, Diego
Zoia und John Mathieu
Weitere Informationen
und Online-Bestellung hier.
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Maissen,
Alfons; Maissen, Anna Pia
Handwerkerfilme aus der Surselva /Ils films de mistergners
sursilvans (1942-1944)
Zu den Filmen:
Die während des Zweiten Weltkriegs entstandenen volkskundlichen Filme
von Alfons Maissen zeigen die Arbeitstechniken von fünf traditionellen
Handwerken Graubündens und vermitteln gleichzeitig grossartige Einblicke
in den damaligen Lebensalltag Romanisch Bündens und des Alpenraums
im Allgemeinen.
Zu den Broschüren:
Bis kurz vor seinem Tod im Frühjahr 2003 hat der Verfasser, Dr. Alfons
Maissen, an schriftlichen Kommentaren zu seinen Handwerkerfilmen gearbeitet,
die unter seiner Leitung 1942-1944 in der Surselva gedreht wurden. In
Verbindung mit sei-ner Tochter, Dr. Anna Pia Maissen, konnte Alfons Maissen
die Manuskripte noch vollenden.
Bäuerliches
Brotbacken / Far paun casa (Dardin-Capaul, 1942)
Der Tretschenmacher / Il tarscher (Dardin-Capaul, 1942)
Der Korbmacher / Il canistrer (Axenstein, 1942)
Schnitzen einer Tabakpfeiffe / Il dolapipas (Disla-Disentis, 1943)
Herstellen eines Holzeimers / Il vischler (Breil/Brigels, 1944)
Herausgeber: Schweizerische
Gesellschaft für Volkskunde. Abteilung Film. Reihe: Altes Hand-werk.
Museum Regiunal Surselva. Verein für Bündner Kulturforschung.
2004. Zu beziehen beim Bündner Buchvertrieb, Chur.
Filme: 1 Video VHS mit allen 5 Filmen: Fr. 40.-- / Broschüren: „Bäuerliches
Brotbacken“ Fr. 10.--; „Der Tretschenmacher“ Fr. 15.--;
„Der Korbmacher“ Fr. 20.--: „Schnitzen einer Tabakpfeife“
Fr. 10.--; „Herstellung eines Holzeimers“ Fr. 20.--. Alle
Broschüren inkl. Video VHS mit allen 5 Filmen Fr. 80.--.
Bundi,
Martin:
Gewissensfreiheit und Inquisition im rätischen Alpenraum
Martin Bundis Studie
gilt der Frage, wie im Raum des demokratisch verfassten Dreibünde-Freistaats
(Graubünden und die heutige italienische Provinz Sondrio) bereits
Anfang des 16. Jh. eine beschränkte Religionsfreiheit proklamiert
werden konnte und auf welche Schwierigkeiten deren praktische Umsetzung
traf.
Vor allem in den bündnerischen Untertanenlanden südlich der
Alpen stiess der Freistaat auf den Widerstand der konservativen Mächte,
die versuchten, jedes Vordringen von Reformation, Liberalität und
Demokratie mit Gewalt zu verhin-dern. Dem Dreibündestaat gelang es
zwar lange Zeit, diese Angriffe abzuwehren. Nach dem „Veltlinermord“
im Jahre 1620 und dem vorübergehenden Verlust des Veltlins vermöchte
die gegenreformatorische Bewegung die Gewissensfreiheit und Toleranz im
Tal jedoch zu ersticken. Gleichzeitig griffen die südlich der Alpen
praktizierten und von der Inquisition unterstützten Hexenverfolgungen
mit ihren Massenprozessen auf einen Teil der nordbündnerischen Kerngebiete
über, Into-leranz und Zwietracht traten an die Stelle früheren
friedlichen Zusammenlebens.
Herausgeber: Verein
für Bündner Kulturforschung. Verlag: Haupt, Bern 2003. Fr. 38.--.
Widmer
Maya (Hg.): Hortensia von Salis, verw. Gugelberg von Moos
Glaubens-Rechenschaft Conversations-Gespräche Gebät
Hortensia von Salis
(1659-1715) ist in Maienfeld aufgewachsen. 1692 nach zehn-jähriger
Ehe mit Rudolf Gugelberg von Moos verwitwet, wurde sie vor allem als „Hortensia
von Salis verwitwete Gugelberg von Moos“ weit über die Grenzen
ih-rer bündnerischen Heimat hinaus als Gelehrte und Heilkundige berühmt.
Grossen Anklang fanden vor allem ihre 1693 gedruckte „Glaubens-Rechenschafft“
und die ein Jahr später erschienenen „Conversations-Gespräche“.
Die „hochadelige Dame“ – unter diesem Pseudonym waren
die beiden Schriften erschienen – pflegte eine umfangreiche Korrespondenz
mit gelehrten Männern und Frauen, etwa mit dem Zürcher Theologen
Johann Heinrich Heidegger und dem berühmten Naturforscher Johann
Jakob Scheuchzer.
Erstmals werden nun ihre Werke – auch das kürzlich neu entdeckte
„Gebät“ – wieder neu aufgelegt und kommentiert.
Texte und Kommentar geben Einblick in Leben und Werk dieser frühen
Schweizer Schriftstellerin.
Eine Publikation des
Vereins für Bündner Kulturforschung und der Schweiz. Aka-demie
der Geistes- und Sozialwissenschaften.
Schweizer Texte Neue Folge, Band 19. Verlag: Haupt, Bern 2003. Fr. 48.—
Giovanoli,
Diego
Alpenschermen und Maiensässe in Graubünden
Bäuerliche Bauten, Betriebsstufen und Siedlungsstrukturen ausserhalb
der Dörfer Graubündens von der frühen Neuzeit bis 1960
Die alpine Kultur-
und Baulandschaft ist ein faszinierendes Archiv der Vergan-genheit, wenn
man die Objekte und Spuren, bau- und agrargeschichtlichen Mo-numente und
Dokumente zu lesen weiss. Dieses Übersichtswerk liefert einen systematisch
aufgebauten Schlüssel zum historischen Baubestand Graubündens
und einen topografischen Katalog der Bündner Agrarlandschaft, gestützt
auf übe 1000 Abbildungen, Pläne, Skizzen und Fotografien.
Das Werk erlaubt eine Rekonstruktion der landwirtschaftlichen Bau- und
Raum-ordnung seit 1500 bis um 1960 und die typologische und archäologische
Be-stimmung der historischen Bautypen nach funktionalen und morphologischen
Kriterien.
Dem Architekten zeigt das Buch die regionale Ausprägung der Bauformen;
der Raumplaner findet darin das Regelwerk der Kulturlandschaft; der Lokal-
und Re-gionalhistoriker kann es als Leitfaden für die Erforschung
der Kultur- und Agrar-geschichte verwenden; dem Eigentümer eines
Gebäudes hilft es, die Bedeutung eines Einzelbaus zu erkennen.
Und dem Liebhaber und Wanderer öffnet es die Augen für die Vielfalt
und Schönheit der Agrarbauten in der Bündner Landschaft.
Herausgeber: Verein
für Bündner Kulturforschung und kantonale Denkmalpflege Graubünden.
Verlag: Haupt, Bern 2003. Fr. 68.--.
Sibylle
E. Burckhardt:
Max Alioth (1833-1968). Ein Basler Architekt in St. Moritz.
Die Basler Kunsthistorikerin
Sibylle E. Burckhardt hat im Auftrag des Kulturarchivs Oberengadin Samedan
und des Vereins für Bündner Kulturforschung Chur den Nachlass
von Max Alioth inventarisiert und 1993 eine Ausstellung in der Chesa Planta
Samedan organisiert. Darauf folgte die Erarbeitung der nun folgenden Publikation.
Durch die wissenschaftliche Aufarbeitung des Nachlasses und die nun publizierte
Monographie wird das Werk eines weitgehend in Vergessenheit geratenen
Architekten wieder in Erinnerung gebracht.
Der im Engadin ansässig gewordene Max Alioth entfaltete Anfang des
20. Jahrhunderts seine Bautätigkeit in St. Moritz. Schwerpunkte seines
Schaffens bildeten der Bau von Chalets und Landhäusern, alles Bauten,
die meist im Engadin aber auch in den übrigen Kantonen der Schweiz
zu finden sind. Renovationen von historischen Gebäuden gehörten
ebenfalls zu seinem Wirken. Geprägt vom traditionellen "Bündner
Baustil" entwickelte der Architekt eine eigenständige Handschrift
in der Gestaltung des Aussen- und Innenbaues.
Die Publikation zeigt auch bisher unveröffentliche Pläne zum
monumentalen Bau einer Kathedrale in Candelaria auf Teneriffa, die aber
nie vollendet werden konnte.
Die vorliegende Monographie soll einen Überblick über Alioths
architektonisches und künstlerisches Schaffen vermitteln, der durch
zahlreiche Skizzen. Baupläne, Aquarelle und Fotos dokumentiert wird.
Herausgeber: Verein
für Bündner Kulturforschung.
Verlag: Bündner Monatsblatt, Chur 2003. Fr. 38.--.
Placidus
Spescha:
Beschreibung der Alpen, vorzüglich der höchsten. Edition und
Einleitung von Ursula Scholian Izeti.
Hoch hinaus wagte
sich Placidus Spescha (1752-1833). Als Erster bestieg er die höchsten
Gipfel der bündnerischen Surselva – bis auf den Tödi.
Und selbst die Aussicht von dessen Spitze aus wusste er dank seinem fantastischen
Vorstellungsvermögen zu beschreiben: „Wenn ich vorgebe, dass
man vom Waadtland an bis Basel, den Jura und die Bogessen und von dort
über den Rheinsal hinab bis weit über Maynz und Frankfurt; von
Basel zwischen den Abflussen der Donau und des Neckar, Mayn und Moldau
bis an die schlesischen und karpatischen Gebirge, welche Oberungarn von
Polen scheiden, und bis an Siebenbürgen sehe; so haltet man vielleicht
meine Angabe für eine Erdichtung. Besteige aber man diesen Gebirgsstock,
so wird man von der Wahrheit oder Falschheit überzeugt werden.“
Hoch hinaus wagte sich der Disentiser Pater und Naturforscher auch mit
der Beschreibung der Alpen, vorzüglich der höchsten (1823),
nahm er sich doch vor, die Alpen „im Ganzen* zu beschreiben.
Der von Ursula Scholian Izeti editierte Text überrascht durch den
farbigen und unmittelbaren Ausdruck und lässt Speschas Bewusstsein
erkennen, als Alpenbewohner eine eigene Perspektive auf die Alpen und
ihre Bewohnerinnen und Bewohner zu haben.
Herausgeber: Verein
für Bündner Kulturforschung.
Verlag: Chronos, Zürich 2002. Fr. 38.--. |